Kröten für's Wischen

Versicherungen müssen die Desinfektionskosten bei der Unfallinstandsetzung erstatten.

 

Es ist ein harter Kampf mit den Versicherungen im Unfallgeschäft. Wer hat sich noch nicht mit den lieben Sachbearbeitern darüber gestritten, warum ein Rechnungsposten grundlos gestrichen worden ist? Was die Desinfektion von Autos bei der Unfallreparatur angeht, hatte das Amtsgericht Heinsberg schon im September des vorherigen Jahres entschieden, dass die Versicherung des Unfallgegners zahlen muss (Urteil v. 4.9.2020, Az. 18 C 161/20). Versicherungen argumentieren vorgeschoben, die Desinfektion diene dem Schutz der Beschäftigten und falle damit in den Verantwortungsbereich des Betriebes. Tragfähig ist das nicht: hätte sich der Unfall nicht ereignet, hätten schließlich auch keine Reparaturarbeiten mit einer möglichen Verbreitung von Viren durchgeführt werden müssen. Somit sind Desinfektionskosten eindeutig unfallbedingt. Das AG München hat nachgelegt (Urteil v. 27.11.2020, AZ: 333 C 17092/20). Süffisant klärte es die Versicherung über die Rechtslage auf und watschte sie für ihre „unsinnige und lebensfremde“ Argumentation ab:

 

Dass die Anwendung von Desinfektionsmitteln hierunter fällt, ist allgemein bekannt und wird diesseits sicher nicht mit „Sachverständigengutachten“ überprüft werden. Das Gericht geht davon aus, dass sich – ebenso wie allein hier im Haus – in den Rechtsanwaltskanzleien etc. und auch in den Räumen der Versicherer nicht nur Desinfektionsspender befinden, sondern auch regelmäßig umfangreiche Desinfek- tionsmaßnahmen durchgeführt werden. Vor diesem Hintergrund ist der Vortrag der Beklagten schlechterdings unverständlich und unhaltbar.

 

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Die Versicherung muss zahlen. Wofür gibt es sie auch sonst?