Ausgabe 01 | 2026

Technik | Sicherheit | Umweltschutz

eCall-Ausfall durch Netzwandel – Hersteller und Politik in der Pflicht

Funkstille beim Schutzengel

Ein Kunde sitzt nach einem schweren Unfall in seinem Wagen – doch der lebensrettende Notruf bleibt stumm.

Ab 2028 wird das bittere Realität, wenn das veraltete 2G-Netz abgeschaltet wird. Viele eCall-Systeme basieren noch auf dieser Technik. Nach 3G folgt Ende 2028 dann das endgültige Aus für den letzten „Anker“ - 2G. In der Schweiz läuft der Notruf deshalb schon heute vielerorts ins Leere.

Was bedeutet das für den Werkstattalltag? Reine 2G-Module verlieren den Kontakt zur Leitstelle. Das ist kein Software-Bug, sondern ein handfestes Sicherheitsrisiko für rund 5,5 Millionen Fahrzeuge der Baujahre 2018 bis Mitte der 2020er. Da eCall seit 2018 EU-weit Pflicht ist, droht ohne funktionierendes System ein „erheblicher Mangel“ bei der HU – ein echter Plaketten-Killer.

Seit Januar 2026 haben Deutsche Telekom, Vodafone und O2 Telefónica den neuen NG eCall über 4G/5G gestartet. Der alte eCall läuft vorerst parallel weiter. Das schafft Luft, ist aber keine Lösung. Denn aufgeschoben ist bei einer Sicherheitsfunktion noch lange nicht gelöst.

Genau hier liegt der politische Schwachpunkt. Weder Fahrzeughalter noch Werkstätten dürfen am Ende die Folgen einer Technik- und Infrastrukturentscheidung ausbaden, die sie nicht verursacht haben. Ein Smartphone mit Crash Detection, Notruf und Standortübermittlung kann im Ernstfall unterstützen. Es ist aber nur ein Helfer am Rand – kein Ersatz für das fest im Fahrzeug integrierte 112-eCall-System. Dieses System gehört zur Sicherheitsarchitektur des Fahrzeugs wie Airbag oder Gurtstraffer.

Und die Werkstätten? Sie können derzeit nur prüfen, ob ein Fahrzeug betroffen ist, und den Kunden informieren. Mehr zu verlangen, hieße Verantwortung dorthin abzuschieben, wo keine Zuständigkeit vorliegt.

Wenn diese Sicherheitskette durch den Netzwandel unterbrochen wird, müssen die Hersteller die technische Lösung liefern und finanzieren. Die Netzbetreiber müssen einen verlässlichen Übergang absichern.

In der Schweiz und Liechtenstein ist 2G bereits abgeschaltet, wodurch der eCall dort schon jetzt stumm bleibt. Frankreich, Schweden und Island vollziehen die Deaktivierung im Laufe des Jahres 2026.