Ausgabe 02 | 2025

Titelthema

Betriebsvergleich 2023

Schlechte Stimmung – Gute Zahlen

Der Betriebsvergleich des nordrhein-westfälischen Kfz-Gewerbes zieht rückblickend eine positive Bilanz für das Geschäftsjahr 2023. Die rund 30 teilnehmenden markenfreien und markengebundenen Werkstätten sowie Autohäuser konnten allesamt positive Betriebsergebnisse vermelden. Erfreulich ist zudem, dass sich die Eigenkapitalentwicklung weiter verbessert hat.

Die Teilnehmer wurden in der Auswertung erneut in zwei Gruppen eingeteilt: Werkstätten und Autohäuser. Die Umsatzrendite der markenungebundenen Werkstätten lag im Durchschnitt bei rund 11,2 Prozent (Vorjahr: 11,0 Prozent), während die Autohäuser eine durchschnittliche Rendite von 4,2 Prozent (Vorjahr: 4,5 Prozent) erzielten. Gründe für die stabile Ertragslage waren eine konstant gute Serviceauslastung und steigende Verrechnungssätze in den Werkstätten. Bei den Autohäusern war die Lage differenzierter: Einem schwachen Fahrzeugabsatz – vor allem bei Neuwagen – und einem ungewöhnlich hohen Wertberichtigungsbedarf im Gebrauchtwagenbestand standen eine deutlich gestiegene Werkstattauslastung sowie hohe Deckungsbeiträge im Teilegeschäft gegenüber.

Hinzu kommt, dass sich die Personalanzahl – und damit auch die Personalkosten – in Relation zum Umsatz bei den Autohäusern auf 9,4 Prozent (Vorjahr: 9,9 Prozent) reduzierten. Grund dafür ist der Fachkräftemangel. Nicht jede Stelle konnte nachbesetzt werden.

Servicebereich wesentliche Ertragsstütze 
43,2 Prozent) und 26 Prozent bei Autohäusern (Vorjahr: 25,5 Prozent). Offenbar gelang es zunehmend, die Quote der „verkauften Produktivität“ auf den Ausgangsrechnungen deutlich zu steigern.

Der Serviceerlös pro Produktivmitarbeiter (Lohn und Teile) lag im Schnitt bei rund 170 T€ bzw. 206 T€ (Vorjahr: 166 T€ bzw. 201 T€). Tatsächlich konnten freie Werkstattbetriebe etwa 86 Euro je Mechanikerstunde an ihre Kunden weiterberechnen. Die Autohäuser erzielten im Durchschnitt etwa 130 Euro je Stunde – deutlich mehr. Die Wertschöpfung bei Ersatzteilen und Zubehör lag bei rund 34 Prozent (Vorjahr: 33,3 Prozent) und verbesserte sich leicht, was vor allem daran lag, dass die Teilnehmer die Zuschlagssätze auf die UPE der E-Teile erhöhten.

Neuwagenhandel weiter schwach
Der Neuwagenhandel zeigte sich hingegen herausfordernd. Einer nachlassenden Kaufbereitschaft stand ein hohes Fahrzeugangebot gegenüber, was zu höheren Nachlässen führte. Vor allem das bereits im September 2023 ausgelaufene Umweltbonus-Programm für gewerbliche E-Fahrzeuge belastete die Verkaufszahlen. Auch die stark gestiegenen Neuwagenpreise in Kombination mit höheren Finanzierungskosten wirkten sich negativ aus. Der Anteil des Fahrzeughandels am Gesamtumsatz der Autohäuser sank auf 67 Prozent (Vorjahr: 71 Prozent), während dessen Beitrag zum Unternehmensgewinn bei lediglich 30 Prozent (Vorjahr: 33 Prozent) lag.

Der deutsche Autohandel rechnet auch für 2025 mit einem weiter rückläufigen Neuwagenmarkt. Erwartet werden rund 2,7 Millionen Neuzulassungen – das wären etwa 130.000 weniger als 2024 und deutlich unter dem Niveau des Berichtsjahres 2023. Die Nachfrage muss weiterhin durch höhere Rabatte stimuliert werden – erste Anzeichen zeigen sich bereits in sinkenden Leasingraten. Und dennoch: Die Lager sind voll.

Hersteller befinden sich vielerorts längst im Panik- und Krisenmodus. Zwei Hauptgründe sind auszumachen:

  •  Das gesamtwirtschaftliche Umfeld – gekennzeichnet durch Nullwachstum, steigende Arbeitslosigkeit, anhaltende Inflation, höhere Sparquoten und eine bevorstehende Regierungsneubildung – wirkt sich insgesamt negativ auf den Neuwagenabsatz aus.
     
  • Die geltenden EU-CO₂-Flottenregelungen zwingen alle Hersteller 2025 zur „Quadratur des Absatzes“: Der E-Fahrzeugmix muss gegenüber 2024 nahezu verdoppelt werden. Realistisch erscheint das nur mit massiven Preisabschlägen. Doch selbst diese könnten nicht reichen, um die ambitionierten CO₂-Ziele zu erreichen.

Die Schlüssel zu einem entspannteren Marktumfeld liegen bei der EU – etwa durch ein Aussetzen der CO₂-Strafzahlungen – und beim deutschen Staat, etwa durch direkte oder steuerliche Verkaufsanreize für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV). Beides ist in den kommenden Monaten jedoch kaum zu erwarten.

Was bleibt dem Kfz-Betrieb vor Ort?
Er wird weiterhin versuchen müssen, die ausbleibenden Umsätze aus dem Neuwagengeschäft auf die profitableren und stabileren Geschäftsfelder Gebrauchtwagen, Service und Teile zu lenken – ganz im Sinne des eigenen Unternehmenserfolgs, wie der Betriebsvergleich zeigt.

Die vollständigen Ergebnisse des Betriebsvergleichs 2023 können unter Wolfgang Esser abgerufen werden.

 

Wolfgang Esser

Wolfgang Esser

Referent Betriebswirtschaft