Ausgabe 02 | 2025

Innenspiegel

Flexibler Einstieg ins Kfz-Handwerk.

Neustart für die Ausbildung

Die Fahrzeugtechnik entwickelt sich rasant – Elektro­mobilität, Fahrerassistenzsysteme und vernetzte Fahrzeugarchitekturen sind längst Realität. Um diesem Wandel gerecht zu werden, braucht es eine grundlegende Reform der Ausbildung im Kfz­Gewerbe.  Ziel ist es, junge Menschen nicht nur für aktuelle Anforderungen, sondern auch für zukünftige Tech­nologien fit zu machen. 

Einstieg nach zwei Jahren
Eine zentrale Forderung: ein zweijähriger Ausbildungsab-schluss als Einstieg. Diese neue Stufe würde technisches Grundlagenwissen vermitteln, schafft Praxissicherheit und erleichtert den Zugang zum Beruf – besonders für Jugendliche, die aufgrund ihrer Qualifikation die klassische, dreieinhalbjährige Ausbildung nicht im ersten Anlauf be-wältigen können. Damit würde einer großen Gruppe von jungen Menschen der Zugang zu einer Berufskarriere im Kfz-Gewerbe ermöglicht, die trotz persönlichem Interesse an der Arbeit am Automobil ausgeschlossen wurden.

Mehr Flexibilität
Mit Abschluss nach zwei Jahren können sie einfache Wartungs- und Reparaturarbeiten übernehmen und erste Erfahrungen mit elektronischen Systemen sammeln. Wer sich weiterentwickeln will, kann im Anschluss in weiteren 1,5 Jahren den vollen Berufs-abschluss zum Kfz-Mechatroniker erwerben. Auch ein Ausstieg nach der ersten Prüfung (GP1) mit eigenständigem Abschluss wäre denkbar – ein flexibles Modell mit Perspektive.
Aktuell bietet die Ausbildung fünf Schwerpunkte: Pkw, Nutz-fahrzeuge, System- und Hochvolttechnik, Karosserie- und Motorradtechnik. Doch der tatsächliche Bedarf in den Betrieben ist ein anderer: Die Mehrheit bildet im Bereich Pkw aus, gefolgt von Nutzfahrzeugen. Karosserie und Motorradtechnik spielen eine eher untergeordnete Rolle. 

Lücke bei Hochvolttechnik
Ausgerechnet der besonders relevante Schwerpunkt „System- und Hochvolttechnik“ zeigt ein ernüchterndes Bild. Eine Konzen-tration der Ausbildungsinhalte auf die realen Anforderungen der Werkstätten wäre daher nicht nur praktikabel, sondern dringend geboten – auch im Sinne der Ausbildungsqualität.

Veraltete Ausbildungsordnung
Die Ausbildungsordnung stammt aus dem Jahr 2013 – seither haben sich Technik und Anforderungen grundlegend verändert. Die letzte Novellierung hat die Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht ausreichend abgebildet. Neue Technologien, digitale Diagnostik, Sicherheitsanforderungen an Hochvoltsysteme: All das erfordert ein aktualisiertes Berufsbild, das praxisnahe Inhalte auf eine solide Basis stellt.

Fazit
Die Reform der Kfz-Ausbildung ist ein zentrales Element, um den Beruf des Kfz-Mechatronikers zukunftssicher zu machen. Eine flexible Einstiegsstruktur, die jungen Menschen Perspektiven bietet und Betrieben passgenaue Fachkräfte bringt, ist der richtige Weg. Wer heute in Ausbildung in-vestiert, sichert das Werkstattwissen von morgen.