Ausgabe 03 | 2025
Berufsbildung
Sitzung des Berufsbildungsausschusses (BBA).
Kfz-Ausbildung auf dem Prüfstand
Die Ausbildung im Kfz-Handwerk steht am Scheideweg. Auf der letzten Sitzung des Berufsbildungsausschusses (BBA) des nordrhein-westfälischen Landesverbandes wurde Klartext gesprochen: Die Ausbildung braucht dringend eine große Inspektion – nicht nur einen Ölwechsel, sondern einen grundlegenden Systemcheck.
Das Problem ist akut. Immer weniger Nachwuchs hält durch. Wer in eine Ausbildung startet, bricht zu oft vorzeitig ab. Die Zahlen sprechen für sich: Nach zwei Jahren hat jeder Achte die Ausbildung beendet, insgesamt verlässt ein Viertel der Azubis das Kfz-Handwerk ohne Abschluss.
Die Analyse des BBA ist eindeutig: Praxisbezug ist das Schmiermittel für eine erfolgreiche Ausbildung. Die Lernphasen im Betrieb, in der Berufsschule und in den Innungen müssen ineinandergreifen wie ein präzise gewartetes Getriebe. Nur so läuft die Ausbildung rund, Ausfälle werden minimiert, und der Wissenstransfer bleibt auf Touren.
Das Berufsbild „Kfz-Mechatroniker“ steht auf dem Prüfstand. Das Ergebnis der kritischen Durchsicht: Die Ausbildung bildet noch zu oft die Technik von gestern ab. Elektromobilität, Fahrerassistenzsysteme und Digitalisierung kommen zu kurz. Als Einstieg sollte ein zweijähriger Ausbildungsberuf angeboten werden. Wer anschließend weiterlernen will, kann flexibel in die 3,5-jährige Ausbildung einsteigen. So erhalten auch Unentschlossene oder Spätstarter eine faire und motivierende Perspektive.
Praxisbeispiel: Wer sich zu Beginn unsicher fühlt, kann erst die zweijährige Grundlagenbildung wählen und später „aufsatteln“. Das senkt die Abbrecherquote nachweislich und bietet mehr Sicherheit.
Auch bei den Ausbildungsschwerpunkten ist ein Wandel von Nöten. Motorrad- oder Karosserietechnik als Spezialisierung passen laut BBA nicht mehr zur heutigen Arbeitswelt. Der Vorschlag: ein „Monoberuf“ für alle. Alle Azubis erhalten eine breite Basis – von klassischer Mechanik über moderne Elektronik bis hin zu alternativen Antrieben und Digitalisierung. Die Spezialisierung erfolgt erst später, nachdem das Fundament steht.
Nächster Schritt: Das Monoberufs-Konzept soll jetzt in einem landesweiten Pilotprojekt auf Herz und Nieren geprüft werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: mehr Flexibilität, Zukunftssicherheit und echte Perspektiven für junge Menschen. Das Handwerk gewinnt die dringend benötigten Fachkräfte.
BBA-Vorsitzender René Gravendyk: „Wir wollen, dass Ausbildung wieder Spaß macht, Sinn stiftet und die Azubis fit für die Werkstatt von morgen werden.“
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