Ausgabe 04 | 2023

Innenspiegel

Regionalgespräche des nordrhein-westfälischen Kfz-Gewerbes

Blick in die Regionen

Die Regionalgespräche des nordrheinwestfälischen Kfz-Gewerbes im späten Frühjahr sind eine feste Größe in der Kommunikation zwischen KFZ-NRW und seinen Mitgliedsinnungen. Dieses Jahr fanden die Gespräche im Berufsbildungszentrum der Kfz-Innung Bielefeld (am 6. Juni) und in der Verbandsgeschäftsgeschäftsstelle von KFZ-NRW in Hilden (am 21. Juni) statt.

Im Zentrum des Austausches standen vor allem die negativen Auswirkungen der Energie- und Verkehrspolitik der Bundesregierung für die Kfz-Betriebe. Zwar, – so war insbesondere von den Betriebsinhabern zu hören –, sei die Stimmung tatsächlich schlechter als die Situation in den Autohäusern und Werkstätten, dennoch sind die Unternehmer stark verunsichert, wie sie sich angesichts der Planungsunsicherheit für die nächsten Jahre aufstellen sollen. Zahlreiche Autohandelsbetriebe haben eine Kündigung ihres Fabrikats ohne klare Zusage, ob und wie es weiter gehen soll. Zudem stehen die bisherigen Händler vor einem Umbruch, nach dem sie künftig nur noch als „Verkaufsabwickler“ für den Hersteller tätig werden sollen. Wieviel echte Agentur der eigene Hersteller dabei umsetzen wird, ist schwer abzuschätzen.

Begrüßung durch Frank Mund

Regionalgespräch in Hilden

Regionalgespräch in Bielefeld

Ärger mit Einführung der Partikelmessung

Etwas kleinteiliger sieht der Blick in die Kristallkugel für die Werkstattbetriebe aus. Ärger und Unsicherheit sorgte bei den anerkannten AU-Werkstätten die harte Haltung des Bundesverkehrsministeriums bei der Einführung der Partikelmessung für Euro 6/VI Dieselfahrzeuge zum 1. Juli 2023. Die schwierige Liefersituation zugelassener PN-Messgeräte war vorauszusehen. Die Belieferung mit Ersatzteilen läuft teilweise immer noch schleppend.

KFZ-NRW informierte über die für den 1. September geplante nächste Stufe der Online-Zulassung im Kfz-Betrieb. Eine direkte Möglichkeit über eine Schnittstelle mit den örtlichen Zulassungsämtern Fahrzeuge auf Kunden zuzulassen wird es nur für sogenannten „Großkunden“ geben. Das sind Unternehmen, die jährlich mindestens 500 Fahrzeuge zulassen. Dabei ist die Umsetzung allerdings so praxisfeindlich erfolgt, dass selbst größere Autohandelsketten, die aufgrund ihrer hohen Jahreszulassungszahlen eine Großkundenschnittstelle beanspruchen könnten, auf professionelle Dienstleister zurückgreifen werden. Zu Zeit sondiert KFZ-NRW noch den Markt, um rechtzeitig zum 1. September eine Empfehlung für seine Mitglieder aussprechen zu können.

Die Notwendigkeit das Berufsbild des Kfz-Mechatronikers zu erneuern, ergibt sich bereits mit Blick auf die Prüflingszahlen in den einzelnen Schwerpunkten. Während Pkw-Technik mit Abstand die meisten Azubis hat, folgen Nutzfahrzeugtechnik sowie System- und Hochvolttechnik bereits weitabgeschlagen, wenn auch mit langsam steigenden Zahlen. Die Prüflingszahlen in den Schwerpunkten Motorradtechnik und Karosseriebau stagnieren landesweit im kleineren zweistelligen Bereich. Der für die Beschulung der einzelnen Bereichen zu betreibende Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.
Weitere Themen waren der Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Arbeitszeiterfassungspflicht, die Situation der Kfz- Schiedsstellen und der Umgang mit Sprachproblemen vieler Azubis mit Migrationshintergrund.
Zum ersten Male konnten auch Inhaber von Mitgliedsbetrieben an den Veranstaltungen teilnehmen. Nicht wenige machten von dieser Möglichkeit Gebrauch und beteiligten sich lebhaft an den Diskussionen.