Ausgabe 04 | 2025
Titelthema
Wert, Emotionen und die richtige Vorbereitung
Nachfolge im Kfz-Betrieb
Was ist mein Kfz-Betrieb wert? Diese Frage stellt sich vielen Unternehmern, wenn sie über ihre Nachfolge nachdenken. Eine einfache Antwort gibt es nicht – denn jedes Unternehmen ist anders. Beim Substanzwert zählt, was greifbar ist: Gebäude, Maschinen, Werkstattausrüstung und Fahrzeuge. Beim Ertragswert geht es darum, wie viel Gewinn der Betrieb künftig erwirtschaften kann. Liegt dieser über dem materiellen Besitz, entsteht ein Firmenwert, der sogenannte Goodwill. Dazu zählen Kundenstamm, Marktstellung und der Ruf des Betriebs.
Doch Zahlen sind nur ein Teil des Bildes. Auch Faktoren wie die regionale Nachfrage, die wirtschaftliche Lage und die Finanzierungsbereitschaft der Banken beeinflussen den Preis. Verkäufer wünschen sich für ihre Lebensleistung einen fairen Gegenwert, Käufer erwarten eine Investition, die sich langfristig trägt. Eine realistische Bewertung und eine frühzeitige Planung helfen, dass beide Seiten zueinanderfinden.
Die Nachfolge sollte idealerweise ab Mitte fünfzig in den Blick genommen werden – spätestens fünf Jahre vor der geplanten Übergabe. Denn eine gute Vorbereitung braucht Zeit, klare Absprachen und gegenseitiges Vertrauen. Ob der Nachfolger aus der Familie kommt, aus dem Kreis der Mitarbeitenden oder extern gefunden wird, hängt von den individuellen Gegebenheiten ab. Entscheidend ist, dass er fachlich wie menschlich geeignet ist und bereit, Verantwortung zu übernehmen.
Gerade in Familienbetrieben ist die Nachfolge oft ein emotionaler Prozess. Der Senior muss loslassen, der Nachfolger gestalten. In vielen Fällen erfolgt die Übergabe als Schenkung – so bleibt das Lebenswerk erhalten und steuerliche Vorteile können genutzt werden. Wer frühzeitig plant, offen miteinander spricht und sich fachlich beraten lässt, sorgt dafür, dass der Betrieb erfolgreich weitergeführt wird. Eine geregelte Nachfolge ist immer auch ein Zeichen von Verantwortung – gegenüber Mitarbeitern, Kunden und der nächsten Generation.
Am Ende geht es bei jeder Nachfolge um mehr als Zahlen. Es geht um Vertrauen, um den Fortbestand eines Lebenswerks – und um die gemeinsame Zukunft. Wer rechtzeitig plant, seinen Nachfolger gezielt aufbaut und sich beraten lässt, schafft die besten Voraussetzungen dafür, dass Erfahrung und Zukunft im Gleichgewicht bleiben – und der Betrieb in guten Händen weitergeführt wird.
Doch wer kommt als Nachfolger überhaupt in Frage? Naheliegend sind Kfz-Meister, da sie die Voraussetzungen zur Betriebsführung nach der Handwerksordnung (HwO) erfüllen. Kommt jedoch beispielsweise ein langjähriger Geselle als Käufer in Betracht, wird es juristisch anspruchsvoll. Denn zwei Rechtsbereiche greifen hier ineinander: die HwO regelt, wann die Ausübung des Handwerks zulässig ist, während die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) als spezielleres Gesetz bestimmt, wer Prüfungen wie die Abgasuntersuchung (AU) durchführen darf.
Wer keine Meisterqualifikation besitzt, aber eine Ausnahmegenehmigung der Handwerkskammer, darf zwar eine Werkstatt eröffnen – nicht jedoch die AU durchführen. Das kann spätestens bei der nächsten Überprüfung durch die Innung zu Problemen führen, wenn der neue Inhaber seinen Kunden keine AU mehr anbieten darf. Zwar kann die Bezirksregierung unter bestimmten Voraussetzungen eine Ausnahmegenehmigung erteilen, doch sollte dieser Punkt unbedingt vor der Übergabe geklärt werden.
Alternativ kann der Nachfolger einen Kfz-Meister als verantwortlichen Betriebsleiter einstellen, der die Aufgaben nach StVZO übernimmt. Bei Innung und Verband finden Betriebe fachkundige Ansprechpartner, die zu diesen Fragen beraten – auch im Hinblick auf rechtliche Anforderungen, steuerliche Gestaltung und Fördermöglichkeiten.
Am Ende entscheidet die Kombination aus rechtzeitiger Planung, realistischer Bewertung und klarer Kommunikation, ob die Staffelstabübergabe gelingt. Denn wenn Erfahrung auf Zukunft trifft, entsteht das, was Handwerk ausmacht: Vertrauen, Verantwortung und Fortschritt – über Generationen hinweg.
