Ausgabe 04 | 2025
Technik | Sicherheit | Umweltschutz
Bergung von E-Fahrzeugen
Achtung Hochspannung
Ein E-Auto mit Unfallschaden sieht auf den ersten Blick aus wie jedes andere Fahrzeug. Doch unter dem Blech steckt Hochspannung – im wahrsten Sinne des Wortes. Wer hier Hand anlegt, muss wissen, was er tut. Denn beim Bergen, Verladen und Abschleppen von Elektrofahrzeugen gelten klare Sicherheitsregeln. Maßstab ist die DGUV 209-093, die drei Qualifikationsstufen unterscheidet.
Die Stufe 1S (fachkundig unterwiesene Person) erlaubt das Sichern, Verladen und Abschleppen – aber nur, wenn das Hochvolt-System sicher spannungsfrei ist. Besteht Unklarheit über den Zustand, sind sichtbare Akkuschäden zu sehen oder Rauchentwicklung erkennbar, gilt: Stopp! In solchen Fällen muss eine Fachkraft Hochvolt der Stufe 2S übernehmen. Arbeiten an geöffneten Hochvolt-Systemen sind ausschließlich Spezialisten der Stufe 3S vorbehalten.
Worauf es in der Praxis ankommt: Zuerst Spannungsfreiheit herstellen – Zündung aus, 12-Volt-Batterie abklemmen und, falls vorhanden, die HV-Trennstelle nutzen. Orange Kabel bleiben tabu, sie kennzeichnen Hochvolt-Leitungen. Abschleppen auf eigener Achse ist verboten, ein Plateaufahrzeug ist Pflicht – es schützt Technik und Personal. Unverzichtbar ist auch Schutzausrüstung: isolierende Handschuhe und Schutzkleidung, um gegen mögliche Restspannung abgesichert zu sein. Nach der Bergung gilt: Fahrzeug sichern, Erschütterungen vermeiden und bei Wasserschäden Abstand halten – kein Startversuch!
„Hochvolt beginnt bei 30 V Wechselstrom (AC) und 60 V Gleichstrom (DC) – und endet nicht bei 1.000 V. Das ist lebensgefährlich ohne passende Qualifikation.“Die DGUV-FAQ Elektromobilität (2024) bringt es auf den Punkt: „Nur geschulte Personen dürfen tätig werden.“ |
Nach dem Abschleppen ist die Arbeit noch nicht vorbei. Der Zustand des Fahrzeugs muss dokumentiert werden – inklusive sichtbarer Schäden und aller Maßnahmen. Diese Informationen gehören an die Werkstatt, die Versicherung und bei Auffälligkeiten auch an die Feuerwehr. Beschädigte E-Fahrzeuge lagern Sie im Freien, auf nicht brennbarem Untergrund, mit Abstand zu anderen Fahrzeugen und Brandüberwachung. Diese technische Quarantänefläche minimiert Risiken wie Nachzündungen oder einen sogenannten Thermal Runaway.
