Qualifiziert unter Spannung

Es ist geschafft! Mit einer Verzögerung von mehr als zwei Jahren wurden die Vorgaben der Unfallversicher­ung zu Arbeiten an Hochvolt-Fahrzeugen veröffentlicht.

 

Die neue DGUV Information 209-093 regelt die notwendige Qualifikation, über die ein Mitarbeiter verfügen muss, wenn ein Betrieb ihn an Hochvolt-Fahrzeugen arbeiten lässt.


Hat sich das Warten denn auch gelohnt? Der Grund für die Überarbeitung war vor allem ein technischer: Es ging vorrangig darum die bisherigen Begriffsbestimmungen zu schärfen und eine deutliche Abgrenzung zum Elektrohandwerk zu schaffen. Nun haben Betriebe Klarheit darüber für welche Tätigkeiten welche Qualifikationen und Unterweisungen notwendig sind. 


Das Stufensystem
Für das reine Bedienen von Hochvolt-Fahrzeugen ist es ausreichend, die Mitarbeiter auf die Gefahren des HV-Systems zu sensibilisieren, auf den bestimmungsgemäßen Gebrauch und die zu beachtenden Besonderheiten hinzuweisen. Zur Bedienung zählen ebenfalls kleinere Servicearbeiten wie der Wechsel von Scheibenwischblättern oder das Auffüllen von Wischwasser.


In der Stufe 1 S dürfen fachkundig unterwiesene Personen allgemeine Arbeiten am Fahrzeug, die nicht unmittelbar das HV-System betreffen, durchführen. Dazu zählen zum Beispiel Öl- und Radwechsel, Arbeiten an der Bremsanlage, dem Verbrennungsmotor oder dem konventionellen Bordnetz. Auch die Pannenhilfe zählt hierzu.


Als Fachkundige Person ist der Mitarbeiter in der Stufe 2 S bereits dazu qualifiziert ein Fahrzeug spannungsfrei zu schalten und an Hochvoltsystemen und -Komponenten im spannungsfreien Zustand zu arbeiten.


KFZ-Mechatroniker bereits qualifiziert
Die gute Nachricht an dieser Stelle: Mit einer abgeschlossenen Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker ab 2013 ist der Mitarbeiter bereits automatisch für die Stufen 1 S und 2 S qualifiziert. Die Basis für diese Hochvolt-Arbeiten wird also bereits durch eine fundierte Ausbildung gelegt.


Geht es dagegen ans Eingemachte und sind Arbeiten an HV-Systemen oder Akkus durchzuführen greift die Qualifizierungs-stufe 3 S: Diese Tätigkeiten dürfen nur von Fachkundigen Personen für Arbeiten an unter Spannung stehenden HV-Systemen durchgeführt werden. Für ausgebildete Kfz-Mechatroniker, die den Ausbildungsschwerpunkt „System- und Hochvolttechnik“ absolviert haben, ist auch diese Qualifikation bereits erfüllt und muss nicht neu erworben werden. Grundsätzlich empfiehlt die Unfallversicherung hier, dass eine zweite Personen, die mindestens über die Stufe 1 S verfügt und in Erster Hilfe ausgebildet ist, bei den Arbeiten unterstützt. 


Unternehmen muss regelmäßig schulen
Für alle Mitarbeiter gilt jedoch: Der Unternehmer ist gefordert, die Fachkenntnisse seiner Mitarbeiter durch die regelmäßige Teilnahme an Schulungen auf dem aktuellen Stand zu halten. Erste Anlaufstelle sollte hier die Branchenorganisation TAK sein, die die notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen anbietet. 


Um auch den Kunden deutlich und sichtbar nach außen zu zeigen: Wir sind Experten für Elektro- und Hybridfahrzeuge und dein Fahrzeug ist bei und in guten Händen, lohnt sich eine Zertifizierung durch den Bundesverband als Fachbetrieb für Hybrid- und Elektrofahrzeuge oder, wie es unter dem zukünftigen Label heißen wird: eCar-Service.