Und läuft nicht und läuft nicht und...

Das Kfz-Gewerbe hat die Auswirkungen der Corona-Pandemie heftig zu spüren bekommen. Zwar litten Fahrzeughandel und Servicegeschäft seit dem Beginn der Krise im Frühjahr vergangenen Jahres unterschiedlich stark. Aber letztlich sind alle Bereiche betroffen. Bemerkenswert sind die Folgen der Störung globalisierter Prozesse für die klein- und mittelständisch organisierten Kfz-Betriebe. Der Blick auf die öffentliche Meinungsbildung vor der Bundestagswahl drückt auf die Stimmung.

 

Nach den Karnevalstagen 2020 dämmerte auch in Deutschland die Gewissheit, dass die Corona-Pandemie nicht ein chinesisches Phänomen bleiben würde. Der regierungsseitig verhängte inkonsequente Stotterkurs teilweise widersprüchlicher Schutzmaßnahmen in einem regionalen Flickenteppich führte ungewollt zielstrebig im Herbst in einen langen strengen Lockdown.

 

Alle Appelle des Kfz-Gewerbes blieben erfolglos. Trotz wiederholter hartnäckiger Gespräche und provozierender Aktionen vor dem Bundeskanzleramt sah sich die Politik außer Stande, die (Teil-) Betriebsschließungen rückgängig zu machen. Pannen bei der Impfstofflogistik und eine mangelhafte Organisation der ohnehin verspäteten Impfkampagne ließen kaum andere Handlungsoptionen zu. Maßnahmen wie die vorübergehende Mehrwertsteuerabsenkungen wirkten hilflos und erzielten auch nicht die gewünschte Wirkung. Sie führte nicht zu Mehrverkäufen sondern bestenfalls zu vorgezogenen Kaufentscheidungen.


Fahrzeugverkauf brach drastisch ein
Der Erholungsprozess ist spürbar. Aber er gestaltet sich zäh. Länger als ein halbes Jahr hieß es für den stationären Fahrzeughandel: nichts geht mehr. War das Investitionsklima insbesondere bei den privaten Kunden, die ihrerseits durch Kurzarbeit oder unsichere Jobprognosen stark verunsichert wurden, bereits im Keller, brach der Umsatz im Fahrzeugverkauf nach der Zwangsschließung bei zahlreichen Autohäusern drastisch ein – häufig um bis zu 50 Prozent. Kurzarbeit und Corona-Hilfen konnten die Verluste nicht annähernd abfedern. 


Digitalisierungsstrategie notwendig
Lockdown und Kontaktbeschränkungen bescherten dem Onlinehandel gewaltige Zuwachsraten. Doch für den Fahrzeughandel kann es noch nicht als ausgemachte Sache gelten, dass die Option eines Onlinekaufes potenzielle Fahrzeugkäufer auch tatsächlich überzeugen würde. Umfrageergebnisse, wonach die Hälfte der Käufer auch online kaufen würden, sind mit Vorsicht zu genießen. Klar ist aber auch, dass alle Autohaus-Unternehmer eine Digitalisierungsstrategie für ihre Betriebe benötigen. Allein schon, um interne Kommunikationsprozesse krisenfester zu gestalten. Die plakative Forderung nach mehr Online-Vertrieb kann den Autohäusern gerade im Wettlauf mit Direktvertriebskonzepten ihrer Hersteller und Importeure nicht helfen. Doch die traditionelle Stärke des stationären Fahrzeughandels konnte sich unter seuchenhygienischen Maßnahmen nicht  wirklich entfalten: allein das Thema Probefahrt forderte bereits viele Kfz-Unternehmer heraus. Traditionelle Marketingaktionen wie Autoshows oder Frühjahrsfeste blieben ganz auf der Strecke.


Der „Feind im eigenen Bett“
Und als wenn diese vordergründig seuchenhygienische Bremse aktiven Unternehmertums nicht bereits Unglück genug wäre, erleben immer mehr Fabrikatshändler den eigenen Hersteller oder Importeur als den „Feind im eigenen Bett“. Die völlig unvorhersehbare Liefersituation zahlreicher Modelle schafft schier unlösbare Herausforderungen für die eigenen Finanzplanung  und lässt überdies den Faktor „Kundenzufriedenheit“ zum unkalkulierbaren Glückspiel werden. Hinzu kommt die offene oder verhohlene Drohung mancher Hersteller, den Vertrieb künftig selbst in die Hand zu nehmen. 


Bislang werden die möglichen Auswirkungen einer solchen Entwicklung noch vorsichtig mit „Agenturmodell“-Poesie verblümt. Doch darf nicht übersehen werden, dass sich der Handel hierbei völlig ausliefert und davon abhängig macht, was ihm der Hersteller künftig für die Abwicklung des Kaufes noch zu zahlen bereit ist. Das letzte Schutzreservat eines Handelsvertreters müssen die „Agenturindianer“ jedenfalls verlassen. Ist man auf hoher See zumindest noch in Gotteshand, ist der Agenturunternehmer künftig nur noch in der Hand eines allein auf den eigenen Profit sehenden Herstellers. 


Positive Bilanz für das Reparaturgeschäft
Dabei hatte das Automobil als der Garant individueller Mobilität durchaus Boden gut gemacht in einer öffentlichen Diskussion, die noch vor Corona einseitig von ÖPNV-Ausbau und Carsharing-Konzepte beherrscht wurde. Doch mit dem Lockdown sorgten Kurzarbeit oder Homeoffice für eine deutlich geringere Auslastung des privaten wie betrieblichen Pkw-Bestands. Verschleißreparaturen nahmen ab, Serviceintervalle zögerten sich hinaus. Dennoch konnten viele Betriebe im Aftersale 2020 sogar einen kleinen Boom verbuchen. Viele entgangene Aufträge aus dem Frühjahr konnten später im Jahr nachgeholt werden.


Unter dem Strich fiel die Bilanz für das vergangene Jahr deshalb zumindest für das Reparaturgeschäft mehrheitlich positiv aus. Dies zeigt auch der Betriebsvergleich von KFZ-NRW für 2020. Auch in 2021 könnte sich die Zurückhaltung der Verbraucher bei der Anschaffung eines neuen Autos zugunsten des Werkstattgeschäfts niederschlagen: was nicht durch ein neues Fahrzeug ausgetauscht wird, muss repariert und gewartet werden.


Das heißt für die Kfz-Werkstätten außerdem, dass der arbeitsintensive Verbrenner weiterhin der Brot-und-Butter-Kunde von Morgen bleiben wird. Globale Lieferengpässe, wie es vor allem bei Halbleitern aktuell der Fall ist, betreffen eher den Neuwagenhandel und weniger die Ersatzteilversorgung in der Werkstatt. Wenngleich es auch hier und da zu Versorgungslücken kommt. 


Zukunft des Automobils
Schwieriger fällt die Prognose, inwieweit die sich im Wahlkampf aufheizende Grundsatzdiskussion über die Zukunft des Automobils auf die Investitionsbereitschaft auswirken wird. Während man bei der vorherrschend einseitigen Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien den Eindruck gewinnt, die Anschaffung eines E-Autos garantiere bereits zu Lebzeiten einen festen Platz im Paradies, sorgt die konkrete Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen beim Kaufinteressenten für deutliche Ernüchterung. Ohne erhebliche Kaufanreize aus dem öffentlichen Steuersäckel wären Tesla und Co. tatsächlich unverkäuflich! Das gilt letztlich auch für Plug-in-Hybride als die neuen Dienstwagenlieblinge. Die Politik tendiert mehr und mehr dazu, scheinbar vernünftige Lösungen durch völlig unvernünftige Steuerungsmaßnahmen zu erzwingen.


Dieses zunehmende Auseinanderklaffen von erlebter Realität und politischer Utopie sorgt sowohl beim Autokäufer als auch beim Händler für wachsende Unruhe. Der Käufer ist sich völlig unsicher, ob er bei dem E-Schnäppchen zuschlagen soll, als die nur bedingt praxistaugliche Fahrzeuge durch öffentliche Fördermaßnahmen erscheinen. Der Händler weiß nicht, wie ihm geschieht, wenn der eigene Hersteller den Ausstieg aus einer bisher für verlässliche Absätze sorgende Zukunftstechnologie verkündet. 


Das Auto ist in unserer modernen Gesellschaft unverzichtbar
Wenn diese Pandemie ein Gutes hat, dann diese erfrischend desillusionierende Erkenntnis: dauerhaft kann man niemanden aus dem Leben verbannen. Das gilt sowohl für Autokäufer als auch für Kfz-Unternehmer. Das Auto, mit welchem Antriebs-aggregat auch immer, ist in unserer modernen Gesellschaft unverzichtbar. Die Rückgestaltung dieser Gesellschaft wird zuallererst die selbsternannten „Modernisierer“ treffen.