Allgemeine Unsicherheit (AU)

Die neue Ausrichtung bei der Durchführung der Abgasuntersuchung bringt für die Kfz-Betriebe einige Herausforderungen mit sich. Die Verpflichtung durch den Gesetzgeber, alle Prüf- und Messgeräte regelmäßig zu kalibrieren, zählt dazu.

 

Mitte 2021 muss jeder AU-Betrieb nach einem von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) zugelassenen Verfahren akkreditiert oder einem entsprechenden Qualitätsmanagement-System (QMS) beigetreten sein. Als Werkstattbetrieb eine eigene Akkreditierung anzustreben, ist aus Sicht des damit verbundenen Aufwandes und der Kosten sicher nicht sinnvoll.


KFZ-NRW empfiehlt anerkannten AU-Werkstätten daher, sich dem akkreditierten QMS des Bundesinnungsverbandes anzuschließen. Über den Ablauf werden Betriebe rechtzeitig informiert. Die Mehraufwendungen für die eingebundenen Kfz-Werkstätten werden kaum ins Gewicht fallen und in der Übergangsphase bis zum 30. Juni 2021 sind für den Beitritt keine zusätzlichen Kosten geplant. Danach ist eine Transaktionsgebühr pro Abgasuntersuchung in Vorbereitung, die aber lediglich im Cent-Bereich liegen soll. Damit wird die Durchführung der AU auch in Zukunft für die Betriebe wirtschaftlich interessant bleiben.


Einige Mitgliedsbetriebe stellen sich momentan die Frage, ob sie die AU künftig als beigestellte Prüfung zur Hauptuntersuchung selbstständig durchführen oder sie lediglich als Anbieter von Infrastruktur für die Überwacher tätig sein möchten. Bei der letztgenannten Alternative denken die Werkstattinhaber häufig nur an den Entfall der monatlichen Leasingkosten des AU-Testers und der Schulmanntage für den AU-Verantwortlichen.


Dabei gibt es für die Zukunft gute Gründe, dass eine Werkstatt ihren Kunden die Abgasuntersuchung weiterhin anbietet. Die Durchführung der AU bleibt eine hoheitliche Aufgabe und ist eine Art „Ritterschlag“ für den AU-Betrieb. Aus Kundensicht steht die AU für Kompetenz und Vertrauen. Zudem wird der Stellenwert der Abgasuntersuchung nochmals steigen, weil die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte durch eine regelmäßige Überprüfung auf deren Einhaltung überprüft werden. Immerhin fielen im Jahr 2018 rund 400.000 Fahrzeuge bei der AU durch. Das entsprach einer Steigerung von ungefähr 25 % gegenüber dem Vorjahr 2017. Damit kann die Abgasuntersuchung die Werkstattauslastung zusätzlich absichern. Denn festgestellte Mängel am Abgassystem der Fahrzeuge ziehen häufig lukrative Folgeaufträge nach sich. Die anerkannte Werkstatt stellt bei der Behebung der Fehler also nicht nur ihr Fachwissen und Können unter Beweis, sondern sie profiliert sich aus Kundensicht zudem als Problemlöser.


Kfz-Betriebe die weiterhin als Prüfstützpunkte bei der Hauptuntersuchung tätig sind und zudem die Abgasuntersuchung anbieten, werden entscheidende Wettbewerbsvorteile haben, um neue Kunden zu gewinnen und Stammkunden an ihr Haus zu binden. Das wird vor allem Kunden betreffen, die die räumliche Nähe zur Fachwerkstatt schätzen und den „Rund-um-Service“ aus einer Hand bevorzugen.


Kfz-Betriebe, die sich bei der AU von den Überwachungsorganisationen abhängig machen wollen, bedenken bitte, dass ihre Werkstattkunden in die Prüfstellen oder gar in die Konkurrenzwerkstatt gelotst werden könnten. Wer das für nicht möglich hält, sollte einmal einen Blick auf das Unfallschaden- und Glasgeschäft der Versicherer werfen. Diese Geschäftsfelder und die damit verbundenen Kundendaten wurden auch aus den Händen gegeben. Dieses Rad zurückzudrehen ist fast unmöglich oder nur mit enorm hohem Aufwand zu bewältigen.


Eine Musterkalkulation hat ergeben, dass die Kosten trotz der Mehrbelastungen durch die Eichung und Kalibrierung der AU-Tester deutlich unter den Einnahmen der Prüfgebühren liegen werden. Bei durchschnittlich 250 Öffnungstagen pro Jahr muss eine AU-Werkstatt lediglich 300 Abgasuntersuchungen durchführen, um die Selbstkosten aus dem Anteil der AU-Gebühren bestreiten zu können. Das entspricht rund 1,2 Abgasuntersuchungen je Öffnungstag, eine machbare Größenordnung. Betriebswirtschaftlich bleibt die AU damit für viele Betriebe ein lohnendes Geschäft. In der Kalkulation sind die zusätzlichen Erträge aus den Folgereparaturen nicht berücksichtigt worden. Diese verbessern den Ertrag nochmals deutlich zugunsten der aktiven AU-Werkstätten.


Vor diesem Hintergrund sollte jeder Mitgliedsbetrieb weiterhin ein Interesse daran haben, die AU als Kundenbindungsinstrument nicht leichtfertig aus der Hand zu geben.

Die Betriebsberatungsstelle von KFZ-NRW steht Interessierten gerne für eine individuelle sowie kostenlose Beratung zu diesem Thema zur Verfügung.

Terminvereinbarung bitte mit:

Wolfgang Esser

Tel.: +49 211 92595 22
E-Mail: esser@remove-this.kfz-nrw.de