Bevor es 19 schlägt

Die Corona-Krise stellt auch Kfz-Unternehmen weiterhin auf eine harte Probe. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind auch in der zweiten Jahreshälfte enorm und im Detail schwer abzuschätzen.

 

Um die Wirtschaft nach dem Corona-Schock der letzten Monate wieder anzukurbeln, wurde von Bundestag und Bundesrat bekanntlich mit dem Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz ein umfangreiches steuerliches Konjunkturpaket auf den Weg gebracht. 


Ein zentraler Teil dieser Maßnahmen ist die befristete Absenkung der gesetzlichen Umsatzsteuer im Rahmen des Regelsteuersatzes von derzeit 19 % auf 16 % seit dem 1. Juli 2020. Nach dem 31. Dezember 2020 ist jedoch wieder der alte Satz in Höhe von 19 % beim Regelsteuersatz anzuwenden.


Es ist deshalb damit zu rechnen, dass spätestens im letzten Quartal des Jahres die Nachfrage nach regelbesteuerten Fahrzeugen steigen wird.

 

Nicht vorsteuerabzugsberechtigte Käufer werden daran interessiert sein, Neufahrzeuge noch im laufenden Jahr zu bestellen und ausgeliefert zu bekommen, damit der reduzierte Regelmehrwertsteuersatz noch zur Anwendung kommen kann.

 

Für die Frage, ob der 16 %-ige Mehrwertsteuersatz anzuwenden ist, wird ausschließlich der Zeitpunkt der Auslieferung und Übergabe des Fahrzeugs maßgebend sein. Dementsprechend gilt: Der Tag des Vertragsabschlusses, der Rechnungserteilung oder der Vereinnahmung des Entgelts sind unerheblich. Nur wenn die Übergabe des Fahrzeugs an den Kunden bis zum 31. Dezember 2020 erfolgt, gilt noch der abgesenkte Steuersatz. Damit ist spätestens ab Mitte Dezember mit einer deutlich erhöhten Anzahl von Fahrzeugauslieferungen in den Kfz-Betrieben zu rechnen.
 

Das stellt die Autohäuser vor Herausforderungen: Sofern vertraglich eine Fahrzeugzulassung durch das Autohaus vereinbart ist, sollten sich Betrieb frühzeitig um Termine für die Anmeldungen bei den Straßenverkehrsämtern kümmern, da die Ämter seit Beginn der Corona-Krise in vielen Städten nur noch eingeschränkt arbeiten. Zudem ist damit zu rechnen, dass die Zulassungsstellen ‚zwischen den Jahren‘ den Betrieb ganz einstellen werden; damit wäre bereits der 23. Dezember die letzte Möglichkeit in diesem Jahr noch Fahrzeuge zulassen zu können! 

 

Falls das in Einzelfällen nicht mehr rechtzeitig gelingt und die Kunden auf dem reduziertem Mehrwertsteuersatz bestehen: Notfalls muss dem Kunden das Fahrzeug zunächst ohne Zulassung, jedoch gegen schriftliche Übergabebestätigung mit Datum in der heimischen Garage übereignet werden. Das Fahrzeug wird dann vom Autohaus nach der Übereignung im Januar 2021 angemeldet.

 

Losgelöst von der Mehrwerterhöhung; auch die Fahrzeughersteller können das Zulassungsproblem für Autohäuser zum Jahreswechsel verschärfen: Sofern die Jahreszielquote an Neufahrzeugen nicht erreicht wurde, müssen die zum Jahresende dazu vom Hersteller geforderten ‚Tageszulassungen‘ rechtzeitig für die Anmeldung eingeplant werden. Da Kurzzulassungen mindestens 10 Tage bestehen müssen, damit diese als statistikrelevante Neuzulassungen erfasst werden, müssen diese Anmeldungen spätestens  Anfang Dezember bei den Straßenverkehrsämtern terminiert werden.

 

Auch für die Kfz-Werkstatt gilt das Gesagte. Insbesondere werden von nichtvorsteuerabzugsberechtigten Kunden Reparaturen vorgezogen werden. Für die Anwendung des verminderten Mehrwertsteuersatzes kommt es nicht auf die Auftragserteilung, sondern ausschließlich auf die Leistungserbringung und Fahrzeugrückgabe an den Kunden vor dem 1. Januar an. Beides muss schriftlich dokumentiert werden.

 
Für weitere Infos steht die Beratungsstelle des Kfz-Gewerbes NRW unter esser@kfz-nrw.de gerne zur Verfügung.

Ihr Ansprechpartner:

Wolfgang Esser

Tel.: +49 211 92595 22

E-Mail: esser@remove-this.kfz-nrw.de