Ausgabe 05 | 2022

Gutes Geschäft mit altem Blech

Oldtimer noch immer attraktiv.

Gute Geschäfte mit altem Blech

Nicht nur Weinkenner schätzen den gereiften Jahrgang, sondern auch Liebhaber automobiler Klassiker.

Seit 25 Jahren dürfen Oldtimer in Deutschland das H-Kennzeichen tragen, sofern sie die Voraussetzungen dafür erfüllen. Das ist dann der Fall, wenn es sich um „Fahrzeuge handelt, die vor mindestens 30 Jahren erstmals in Verkehr gekommen sind, weitestgehend dem Original­zustand entsprechen, in einem guten Erhaltungszustand sind und zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen“. Sichtbares Zeichen dafür ist die Vergabe historischer Kennzeichen.

Immerhin erfüllten zum 01. Januar 2022 fast 650.000 Fahrzeuge in Deutschland diese Kriterien. Tendenz steigend – und das hat Gründe.  

Die längere Verwendung eines Fahrzeugs ist nachhaltiger als deren vorzeitiger Austausch aufgrund vermeintlicher Verbesserungen im Abgasverhalten oder gar Wechsel des Energieträgers.

Keine Einschränkungen

Keine Einschränkungen

Oldtimer haben keine Einschränkungen hinsichtlich der Nutzung, da Umweltzonen oder Durchfahrtsverbote aufgrund von Abgasvorschriften für sie nicht gelten. Wo ein EURO 5 Diesel nicht einfahren darf, ist ein H-Kennzeichenfahrzeug auch ohne Abgasentgiftung willkommen.

Die Politik fördert den Sonderstatus der Fahrzeuge mit dem „H“ auf dem Nummernschild zudem mit einer geringen Steuerlast – und das macht sie für manche sehr attraktiv. Dazu kommt, dass der Wartungs- und Pflegezustand der über 30-jährigen signifikant besser ist, als der 20 bis 30-jährigen Altautos, wie Überwacher übereinstimmend feststellen.

Für Kfz-Betriebe ergeben sich aus „altem Blech“ Chancen, entweder eine eigene Nische zu finden oder zumindest die Werkstattauslastung zu steigern. Vor allem weil die Halter die Liebhaberfahrzeuge als Hobby oder gar als Finanzanlageinstrument betrachten, sind sie bereit, für deren Erhalt auch gutes Geld dafür auszugeben bzw. darin anzulegen. Die Folge ist, dass nicht nur die Fahrzeugbestände weiter anwachsen, sondern auch die Bereitschaft der Besitzer mehr dafür auf­zuwenden, auch dann, wenn die Fahrzeuge kaum genutzt werden. Bekanntlich gehen Autos nicht nur vom Fahren kaputt, sondern auch vom Stehen. Spezialisierte Kfz-Betriebe können dieses für ihr Umsatzwachstum nutzen.

Servicemarkt für Oldtimer wächst
Wer meint, der Zug sei bereits abgefahren und der Servicemarkt für Oldtimer längst aufgeteilt, der irrt. Trotz gelegentlicher Stagnationsphasen wächst dieser Markt in Deutschland weiter und die Betriebsnachfolge gestaltet sich auch für bisherige Marktteilnehmer nicht immer einfach. Da es sich bei den Oldtimerspezialisten fast ausnahmslos um inhabergeführte Betriebe handelt, macht sich der allmähliche Abschied der geburtenstarken Jahrgänge gerade in dieser Branchennische bemerkbar. Allerdings funktioniert der Oldtimer­werkstattmarkt vor allem über Referenzen, daher dürfte der Erfolg eines Einstiegs von der Akquise solcher Kunden abhängig sein, die als erste Multiplikatoren tätig werden. Die Kompetenz muss sich „herumsprechen“. Positive Testimonials in den Sozialen Medien sind ein wichtiger Baustein zum Erfolg. Auch die eigene Aktivität in einem Oldtimerclub, die Teilnahme an Ausstellungen, Rennen oder Ausfahrten mit vorbildlichen Fahrzeugen, die von der Fachmannschaft des Betriebes zeugen, verhelfen zum Einstieg in diesen interessanten Markt. Echte Überzeugungstäter, die für das Thema wahrnehmbar brennen, tun sich naturgemäß leichter.
Am Ende entscheidet die dauerhafte Qualität der Arbeit; die darf dann sogar etwas kosten.