Ab Juli wird's ernst!

Der Start in die „AÜK - Akkreditierte Überprüfung im Kraftfahrzeuggewerbe“ steht unmittelbar bevor.

 

Die Überwachungsorganisationen, wie der TÜV, die DEKRA, die GTÜ, die KÜS etc. haben das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe informiert, ab dem 01.07. diesen Jahres nur noch Prüfbescheinigungen von solchen anerkannten Werkstätten zu akzeptieren, die in die AÜK eingebunden sind oder selber ein von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) akkreditiertes Qualitätsmanagementsystem unterhalten.

 

Stichtag: 01.07.2021
Hintergrund für die Entscheidung der Prüforganisationen ist, dass sie jetzt selber die Entscheidung der DAkkS über ihre Vollakkreditierung herbeiführen müssen. Damit sind die anerkannten Werkstätten, welche die Abgasuntersuchung (AU/AUK), die Sicherheitsprüfung (SP) oder die Gasanlagenprüfung (GAP) weiterhin als beigestellte Prüfung in Eigenregie durchführen wollen, verpflichtet, die Anforderungen der AÜK bis zum 01.07.2021 vollständig zu erfüllen. Ein eigenes QM-System einzuführen ist zwar grundsätzlich möglich, dürfte für Kfz- Betriebe in Anbetracht des mit dem Akkreditierungsprozess verbundenen Aufwandes und der hohen Kosten nicht in Frage kommen. Aus diesem Grund haben bereits Mitte des letzten Jahres die nordrhein-westfälischen Kfz-Innungen damit begonnen, die anerkannten Werkstätten in das vom Deutschen Kfz-Gewerbe aufgebaute AÜK-Qualitätsmanagementsystem einzubinden. Aktuell sind in NRW bereits über 5.100 Kfz-Betriebe der AÜK beigetreten. Das sind 82 Prozent aller anerkannten Werkstätten in unserem Bundesland. Auch die AÜK Plus Software wurde seitdem in mehr als 3.800 anerkannten Werkstätten (62%) in Betrieb genommen.

 

Für solche Kfz-Unternehmer, die sich bisher nicht zum AÜKBeitritt entschließen konnten oder die AÜK Plus Software noch nicht bestellt haben, wird es jetzt eng.

 

Kein Hexenwerk
Damit die anerkannten Werkstätten alle Anforderungen des QM-Systems erfüllen, sind von den Innungen abschließend neben den Qualifikations- und Schulungsnachweisen für das eingesetzte Personal außerdem noch die Kalibrierscheine, Stückprüfungen bzw. Eichnachweise für die eingesetzten Prüf- und Messmittel zu erfassen. Damit die Erfassung der Dokumente möglichst einfach von der Hand geht, werden diese Unterlagen digital in einer Zentralen Datenbank abgelegt.

 

Dass das kein Hexenwerk ist, sondern dank der heutigen Hilfsmittel wie Internet, Smartphone und Tablet-PC problemlos umgesetzt werden kann, haben viele Innungen in NRW bereits eindrucksvoll bewiesen. So wurden in Bochum und im Rhein-Kreis Neuss bereits Ende Februar nahezu sämtliche anerkannten Werkstätten vollständig in die AÜK eingebunden.

 

Wäre heute der 01.07.2021, könnten beide Innungen melden: „Alle Kfz-Betriebe aus unserem Innungsbereich dürfen auch in Zukunft ihren Kunden die Abgasuntersuchung, die Sicherheitsprüfung und die Gasanlagenprüfung als Werkstattdienstleistung anbieten!“

 

Erklärtes Ziel ist es, dass alle Innungsbetriebe in NRW auch nach dem 01.07. die hoheitlichen Aufgaben wahrnehmen können. Für die Kfz-Unternehmer sichert dies ein Geschäftsmodell mit garantierter Rendite. So ist die Abgasuntersuchung nicht nur ein Garant für die Werkstattauslastung. Vielmehr sorgen die während der Überprüfung festgestellten Mängel für lukrative Folgeaufträge in der eigenen Werkstatt. Wer mit dem Gedanken spielen sollte, sich vollständig aus dem Geschäftsfeld der amtlichen Fahrzeugüberprüfungen zu verabschieden, rufe sich die negativen Entwicklungen im Unfall- und Glasgeschäft in Erinnerung. Hier werden die Kunden mittlerweile aktiv zu sogenannten „Partnern“ weggelotst. Die Modalitäten in diesen Geschäftsbereichen werden von der Versicherungswirtschaft diktiert. Außerdem gehen potenzielle Kunden meistens auch für die anderen Geschäftsfelder im Aftersales dauerhaft verloren. Ob diese „Partner“ dauerhaft noch die dringend benötigten Erträge erwirtschaften können, ist eher zweifelhaft. Ähnlich dürfte die Entwicklung für Prüfstützpunkte aussehen, die alle Bereiche der Fahrzeugüberwachung komplett aus der Hand geben.

 

Fazit
AU, SP und GAP sind hervorragende Kundenbindungsinstrumente, die der Staat den Kfz-Betrieben in die Hand gegeben hat. Damit verbunden ist ein staatlicher Kompetenznachweis. Dieses Instrument nicht zu nutzen ist ein Fehler, der im Nachgang kaum bzw. nicht mehr korrigiert werden kann. Die anerkannten Werkstätten sind deshalb gut beraten, die verbleibende Zeit bis zum 01.07.2021 zu nutzen, um die Anforderungen aus dem AÜK Qualitätsmanagementsystem umzusetzen. Die Kollegen aus Bochum und Neuss haben es an der Seite ihrer Innungen bereits vorgemacht.