Ausgabe 05 | 2022

Fachkompetenz der Betriebe sichern

Dritte Vorstandssitzung von KFZ-NRW.

Fachkompetenz der Betriebe sichern

In seiner dritten Sitzung in diesem Jahr setzten sich die Vorstandsmitglieder von KFZ-NRW wiederholt mit dem sich weiter verschärfenden Fachkräftemangel auseinander.

Noch immer führt der Beruf des Kraftfahrzeugmecha­tronikers die Liste der Wunschberufe in der Gruppe der jungen Männer an. Frauen sind nach wie vor ein Randphänomen; dies gilt für sämtliche technische Handwerksberufe – allen Bemühungen von girls‘ day und ähnlichen Formaten zum Trotz. Doch mit Blick auf zwei Faktoren kann dieser an sich erfreuliche Zustand als Wunschberuf nicht wirklich beruhigen. Denn erstens gibt es insgesamt immer weniger junge Leute, die für eine Berufsausbildung zur Verfügung stehen. Zweitens strebt die Mehrheit nicht in eine duale Ausbildung, sondern wählt den Einstieg in irgendein Studienangebot. Davon gibt es mittlerweile eine nicht mehr überschaubare Zahl, für viele junge Leute ein Weg ohne Ziel; mehr als ein Drittel scheitert auf dem Weg zum Abschluss und muss sich erneut orientieren. Doch selbst von denen, die das von ihnen gewählte Studium mit Erfolg abschließen, finden die wenigsten in den ursprünglich angestrebten Beruf. Frust ist das häufigste Ergebnis – egal ob das Studium scheiterte oder erfolgreich abgeschlossen wurde.

 

 

"Deshalb müssen wir versuchen diese Defizite mit zusätzlichen Angeboten in unseren Bildungseinrichtungen zu schließen."
 

- Präsident Frank Mund

 

Oftmals denkbar schlechte Voraussetzungen
Frust aber auch auf Seiten der Ausbildungsbetriebe. Sie werden neben wirklich guten Kandidaten immer häufiger mit Bewerbungen von Ausbildungswilligen konfrontiert, deren Voraussetzungen für einen erfolgreichen Abschluss der Ausbildung denkbar schlecht sind: unzureichende Deutschkenntnisse in Wort und Schrift, mangelnde naturwissenschaftliche Allgemeinbildung, – häufig werden nicht mal die Grundrechenarten sicher beherrscht, einmal abgesehen von Dreisatz- oder Prozentrechnen. Ein Problem, mit dem im Übrigen auch die Welt der Hochschulen zunehmend konfrontiert ist. Aber dieser Mangel an Bildungskompetenz birgt auch eine Chance, denn an der Wiege dieser Bewerber ist meist noch nicht das Lied von der akademischen Karriere von überambitionierten Eltern gesungen worden. Auch die Anzahl der Bewerber mit einem Migrationshintergrund steigt; aber gerade deren Begeisterung für „etwas mit Auto“ ist zumeist ehrlich.

Die Vorstandsmitglieder von KFZ-NRW sind sich über den Handlungsbedarf einig: denn in den meisten Fällen sind die Kompetenzen aller jungen Leute ausbaufähig. Neben der Vermittlung von Fachwissen müssen jedoch häufig noch Umgangsformen und Selbstdisziplin beigebracht werden. Die Herausforderung besteht darin, in 3 ½ Jahren das aufzuholen, was Elternhaus und Schule nicht gelang. „Deshalb müssen wir versuchen“, so Präsident Frank Mund, „diese Defizite mit zusätzlichen Angeboten in unseren Bildungseinrichtungen zu schließen“. Die Branche könne nicht darauf warten, dass die Politik ihre katastrophale Bildungspolitik korrigiert, solange in den Familien der alles überstrahlende Halo-Effekt der akademischen Ausbildung: der Bachelor/Master und „irgendwas mit Medien“ als vermeintlicher Heilsbringer für die Zukunft der Kinder gesehen wird. Ein Konzept soll ausgearbeitet werden, für dessen Umsetzung couragierte Innungen gewonnen werden sollen.

Die Zukunft der technischen Fahrzeugüberprüfung im Kfz-Handwerk war ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Beratungen, denn auch hier gilt es die Kompetenz der Kfz-Werkstätten für die Zukunft zu sichern. Dass die Abgasuntersuchung als ein zentrales Element mit dem politisch gewollten Ende der Verbrenner an Perspektive verliert, muss die Branchenorganisation alarmieren, die Rolle der Kfz Betriebe bei der Sicherung von Qualität und Sicherheit in der Elektromobilität neu zu definieren. Auch hier will KFZ-NRW gemeinsam mit anderen Landesverbänden die Initiative übernehmen.


Vorstandssitzung am 22. August 2022