Tarifpartner unter Druck

Seit Juli 2021 kennt der Verbraucherpreisindex nur einen Trend: steigend. Entsprechend wächst die Inflationsrate. Vereinzelte Prognosen, die Inflation könnte zum Jahreswechsel sinken, haben sich nicht bewahrheitet.

 

Im Januar bewegte sich die Inflationsrate mit 4,9 Prozent zwar geringfügig unter dem historischen Dezemberniveau, dennoch kann mittelfristig nicht davon ausgegangen werden, dass die Preisentwicklung auf das Niveau der ersten Jahreshälfte 2021 und der Vorjahre zurückkehrt. Zu den rasant angestiegenen Energiekosten gesellen sich weitere Preistreiber wie Immobilien, Handwerksleistungen aber auch Nahrungsmittel. Mittlerweile steigen in nahezu allen Lebensbereichen aufgrund der Materialverknappung und Logistikprobleme die Preise. Diese Entwicklung setzte die Tarifverhandlungspartner im nordrhein-westfälischen Kfz-Gewerbe gehörig unter Druck. Kurz vor dem Ende der Laufzeit des Entgeltrahmenabkommens trafen die Vertreter des Kfz-Gewerbes NRW und der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) zu neuen Verhandlungen zusammen. Die in Jahrzehnten gewachsene Partnerschaft wurde dieses Mal auf eine harte Probe gestellt. Die Arbeitnehmervertreter forderten den Ausgleich der seit Mitte vergangenen Jahres bereits eingetretenen und nach den Berechnungen noch weiter zu erwarteten Geldentwertung für die Beschäftigten. Arbeitgebervertreter Reiner Irlenbusch (Bergland-Gruppe) verwies  auf die durch Lieferengpässe dramatische Situation im Handel: ein Ausgleich für die Geldentwertung könne in dem geforderten Umfang von den Arbeitgebern in der Branche in diesem und dem folgenden Jahr gar nicht erwirtschaftet werden. Am Ende wurde dennoch ein Kompromiss für die nächsten 24 Monate gefunden.

 

Anpassungen ab 1. April 2022
Mit Wirkung zum 1. April 2022 werden die Tarifentgelte einheitlich um 3,4 Prozent angehoben. Damit ergeben sich für die einzelnen Entgeltgruppen folgende Beträge:

Weitere Erhöhungen in 2023
Die nächste Erhöhung erfolgt zum 1. April 2023 um weitere 2,2 Prozent: 

Erhöhungen für Azubis:
Die Tarifpartner rangen auch um eine Neugestaltung der Ausbildungsvergütungen, die nach Wahrnehmung der CGM gegenüber denen in anderen metallverarbeitenden Handwerken und denen in den umliegenden Tarifbezirken für das Kfz-Gewerbe deutlich zurückliegen. Schlussendlich einigte man sich auch hier auf zwei Anpassungsstufen in den nächsten zwei Jahren jeweils zum 1. August:

Für zahlreiche Ausbildungsbetriebe dienen die tarifierten Ausbildungsvergütungen zumindest als Orientierungshilfe bei der Bemessung der Ausbildungsvergütungen bei Ausbildungsbeginn. Die Handwerkskammern tolerieren Abweichungen nach unten von den tariflichen Beträgen um bis zu 20 %.