Ausgabe 04 | 2022

Euro 6 Dieselmotor – Partikelmessung bald Pflicht?

Partikelmessung bei Dieselfahrzeugen.

Nach dem mehrjährigen Aufschub des ursprünglichen Einführungstermins, soll nun ab dem 1. Januar 2023 an Euro-6/VI-Fahrzeugen mit Dieselmotor die Messung der Partikelanzahlkonzentration verpflichtend werden.   Für die Inhaber anerkannter AU-Betriebe gibt es mehr Fragen als Antworten.

Ab dem 1. Januar 2023 müssen alle Dieselfahrzeuge der Schadstoffklasse Euro 6, auch Nutzfahrzeuge, Transporter, LKW und Busse in der AU einer Partikelzählung unterzogen werden. Das herkömmliche Trübungsmessverfahren mit dem Opazimeter entfällt für diese Fahrzeuge. Dennoch bleibt der Trübungsmesser keinesfalls überflüssig. Denn alle Fahrzeuge ab Euro 5 abwärts werden mit diesem Verfahren weiterhin in der AU überprüft. Die Einführung der Partikelmessung kommt nach dem jahrelangen Entscheidungsstau zur Unzeit und kann mit der jetzigen Terminierung nur noch als eine politische Fehlentscheidung betrachtet werden. Der aktuelle Bestand von Euro-6/VI-Dieselfahrzeugen (mit Erstzulassung ab 01. Januar 2014) liegt bei ca. 6,5 Mio. Fahrzeugen. Im Vergleich dazu sind aktuell ca. 8,5 Mio. Euro 5/4/3 Dieselfahrzeuge zugelassen und für diese Fahrzeuge ist auch künftig keine Partikelanzahlmessung vorgesehen. Der neue technische Mehraufwand richtet sich auf einen schrumpfenden Bestand. Gründe für den stark schrumpfenden Dieselmarkt sind neben dem „bekannten“ Dieselabgasskandal, die deutlich steigenden Zulassungszahlen von Elektro- und Hybridfahrzeugen sowie die weitere Entwicklung des Kraftstoffpreises neben dem Wegfall von Steuerprivilegien. Die Fahrzeughersteller haben als Reaktion auf die Entscheidung der Politik, ab 2035 keine Verbrenner mehr zulassen zu wollen, die Weiterentwicklung der Diesel-Technologie eingestellt.


Änderungen bis zum Stichtag kaum verwirklichbar
Eine flächendeckende Ausrüstung aller anerkannten AU-Werkstätten und technischen Prüfstellen der Überwachungsorganisationen mit bauartzugelassenen und kalibrierten Messgeräten wird sich bis zum geplanten Stichtag am 01. Januar 2023 kaum verwirklichen lassen. Die Baumusterprüfungen der Gerätehersteller bei der Physikalischen-Technischen Bundesanstalt haben gerade erst begonnen. Neben der viel zu geringen Anzahl von akkreditierten Kalibrierlaboren für Partikelanzahlmessgeräte dürfte auch die anhaltende Chip- und Halbleiterkrise für erhebliche Engpässe in der Produktion sorgen. Die Diskussionen zu Übergangsregelungen sind deshalb in vollem Gange. Ergebnis: offen!

Bisher konnte kein Hersteller verbindliche Preise benennen. Berufene Kaffeesatzleser orakeln derzeit Preise zwischen 5.000 und 10.000,- €. Die neuen Geräte unterscheiden sich zudem in zwei Messmethoden. Die Diffusion-Charging-Methode (DC) wendet das Prinzip der elektrischen Ladungsmessung an. Dieses Verfahren wird bei der Mehrheit der Messgerätehersteller eingesetzt und kommt ohne zusätzliche Betriebsmittel aus. Dagegen dürfte die zweite Methode, das Condensation Particulate Counting (CPC), deutlich weniger genutzt werden. Hier wird dem Abgas eine Flüssigkeit zugemischt, wodurch die Partikeloberfläche für das Messgerät sichtbar und messbar wird. Bei der Neuanschaffung eines solchen Gerätes sollten neben den fixen Anschaffungskosten deshalb auch die variablen Kosten für den Ersatz der Prüfflüssigkeit berücksichtigt werden.

Ob die Investition in die neue Prüftechnik lohnt, kann daher noch nicht abschließend beantwortet werden. KFZ-NRW rät anerkannten AU-Werkstätten erst einmal dazu, die Entwicklung im Laufe dieses Jahres abzuwarten.