Ausgabe 04 | 2022

Fachkräftemangel im Handwerk

Deutlicher Rückgang an Interessenten.

Die Bewerbungen im Handwerk sind weiterhin rückläufig. Auch der einstige Wunschberuf des Kfz-Mechatronikers verzeichnet einen deutlichen Rückgang an Interessenten.

Weniger Auszubildende bedeuten weniger Fachkräfte. Ausbildungsberufe im Handwerk erscheinen unattraktiv und zeigen in den Köpfen der Jugendlichen keine Karrieremöglichkeiten auf. Schüler der Abgangsklassen werden vorrangig auf eine akademische Ausbildung vorbereitet und die Chancen in einem dualen Bildungssystem werden nicht deutlich genug aufgezeigt und beleuchtet. Jugendliche wollen zuerst studieren – oder sie bekommen es nahegelegt – nicht zuletzt durch das Elternhaus, Politik und Gesellschaft.

Eine handwerkliche Ausbildung erscheint in den Augen junger Leute nicht mehr gut genug, obwohl sie viele Möglichkeiten und gute Zukunftsaussichten birgt. Dadurch bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Eine weitere Herausforderung zeigt sich in der Entwicklung der Ausbildungsberufe und den notwendigen Qualifikationen von Bewerbern. Der Beruf des Kfz-Mechatronikers beispielsweise hat sich stark gewandelt und die Ansprüche sind gestiegen. Es geht nicht mehr nur rein ums „Schrauben“, auch digital müssen die Bewerber fit genug sein.

Mitarbeiter, die seit 30 Jahren in einem Betrieb sind und von der Ausbildung bis zur Rente zuverlässig dem Unternehmen treu bleiben, sind heute sicher die Ausnahme. Dabei sollte man meinen, dass das Kfz-Gewerbe in Sachen Nachwuchs vergleichsweise gut geht, zumindest wenn man auf die Ausbildungszahlen schaut.

Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen sind die Zahlen seit Jahren relativ konstant; die Bewerberdelle der zwei Corona-Jahren scheint ausgebügelt. Das alles spricht auf den ersten Blick nicht gerade für einen Fachkräftemangel, oder doch?