"Grosskundenrabatt"

Eine neue Masche der Versicherungen sorgt in der Branche für Ärger.

 

Welche Pseudoargumente haben die Versicherungen nicht schon alle aus dem Hut gezaubert um grundlos Werkstattrechnungen zu kürzen? Zu hohe Verrechnungssätze, falsche Teile verwendet, zu lange gebraucht, – die Liste kann fortgesetzt werden. Die neue Masche ist der Großkundenrabatt. Was hiervon rechtlich zu halten ist, darüber hat TACHOMETER mit der auf Unfallschadensabwicklung spezialisierten Kanzlei Haas Rechtsanwälte 
in Düsseldorf gesprochen.


Was steckt denn nun hinter dem neuen „Geschäftsmodell“, Stichwort: Großkundenrabatt?
HAAS:
Werkstätten bekommen von der Versicherung ein Formschreiben, in dem sinngemäß steht „Kunden erhalten erfahrungsgemäß einen Rabatt auf die Reparaturkosten, den wir hiermit von der bei uns eingereichten Rechnung abziehen“.


Wie hoch sind die Abzüge?
HAAS:
Es stehen bis zu 35 % im Raum.


Und was ist rechtlich davon zu halten?
HAAS:
In den allermeisten Fällen sind derartige Abzüge schlicht unzulässig. Die Rechtsprechung ist da ganz eindeutig. Die Versicherung muss Abzüge begründen. Eine Behauptung ins Blauen hinein ist bedeutungslos. 


Das heißt?
HAAS:
Wenn man den Betrag, den die Versicherung gekürzt hat, einklagt, wird man höchstwahrscheinlich gewinnen. Wir haben das schon mehrfach durchexerziert.


Was ist denn, wenn der Kunde wirklich einen Rabatt bekommen hat? Was muss die Versicherung da zahlen?
HAAS:
Das muss man sich im Einzelfall anschauen. Generell kann man aber sagen, dass die Werkstatt grundsätzlich zu marktüblichen Preisen abrechnen darf. Übrigens sollte sich jede Werkstatt überlegen, ob sie sich mit der Versicherung über jede einzelne Rechnung streiten will. Man sollte das Problem outsourcen und die Korrespondenz von vornherein einer spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei überlassen.