Wenn’s mal wieder länger dauert

Werkstätten, die sich bei unklarem Fehlerbild auf einen Reparaturauftrag einlassen, begeben sich rechtlich auf unsicheres Terrain. Wer nicht im Sumpf landen will, sollte sich absichern.

 

Man kennt sie, die lieben Kunden, die die eierlegende Wollmilchsau nicht im Streichelzoo, sondern in der Kfz-Werkstatt verorten. „Geht das auch billiger?“ – „Geht, aber ich weiß nicht, ob das hält.“ Der Werkstattmitarbeiter muss dabei den Spagat schaffen zwischen dem, was für eine ordnungsgemäße Reparatur getan werden muss und dem, was der Kunde bereit ist, zu zahlen. Wenig zahlen – viel bekommen, laute die Devise. 


Die richtige Wortwahl im Werkstattauftrag
Das Zauberwort heißt „Fehlersuche“. Anders als sonst im Werkvertragsrecht üblich schuldet die Werkstatt hierbei keinen Erfolg. Wer den Auftrag „Unruhe im Motor beheben“ annimmt und dafür einen Preis nennt, muss genau das tun: der Motor muss nach der zum angegebenen Preis durchgeführten Reparatur wieder ruhig laufen. Rechtlich nennt man das den „Erfolg“.


Bei der reinen Fehlersuche muss die Werkstatt nur „suchen“, aber nicht „finden“. Das heißt, der Kunde muss für die Suche nach dem Fehler bezahlen, auch wenn der nicht gefunden wird. Das hat das Oberlandesgericht Hamm in einem neuen Urteil bestätigt (Urteil v. 16.9.2020, Az. 12 U 177/19). Bei unklarem Fehlerbild darf die Fehlersuche aber natürlich auch nicht ausufern. Die Richter aus Hamm beschreiben das mit der Beachtung des Gebotes der wirtschaftlichen Betriebsführung. Dabei muss die Werkstatt zunächst die wahrscheinlichsten Fehler untersuchen und hiervon erst die für den Kunden günstigste Ursache ausschließen, um sich so an das wahre Problem heranzutasten.


Soweit die Theorie. Was aber, wenn der Kunde eine weitere Fehlersuche nicht möchte, sondern eine von mehreren möglichen Arbeiten in Auftrag gibt, von denen nicht klar ist, ob sie zum Erfolg führen? Dann sollte die Werkstatt dem Kunden die Optionen klar vor Augen führen und auf die finanziellen Folgen hinweisen.

 

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