Darf es auch ein bisschen mehr sein?

Chancen im Service durch neue Antriebe.

 

Das die Serviceintensität von reinen E-Autos im Vergleich zu konventionellen Verbrennern deutlich geringer ist, gilt als ausgemacht. Doch wie schneiden eigentlich Brennstoffzellenfahrzeuge beim Service ab?


Wie groß der Einfluss der Evolution der Antriebstechnologien auf das Werkstattgeschäft in den nächsten fünf Jahren tatsächlich sein wird, da gehen die Bewertungen weit auseinander. Nicht alle Vorhersageversuche sind wirklich stichhaltig. So ist zum Beispiel die These, wonach Unfallschäden von Pkw mit alternativen Antrieben generell für einen erhöhten Umsatz im Unfallschadensgeschäft sorgen, da diese im Durchschnitt über mehr Fahrerassistenzsysteme mit vielen verbauten Sensoren im Karosseriebereich und mehr Leichtbaumaterialien verfügen, mit Vorsicht zu genießen. Denn letztlich trifft diese Feststellung unabhängig vom jeweiligen Antriebskonzept auf alle Pkw der neuesten Generation zu. Außerdem muss gleichzeitig in Rechnung gestellt werden, wie viele potenzielle Unfallsituationen durch die Funktion der Assistenzsysteme entschärft werden. 

 

Richtig ist, dass zahlreiche Fahrzeuge mit Elektroantrieb das Reifengeschäft ankurbeln: aufgrund von höherem Fahrzeuggewicht, hohen Radmomenten in Kombination mit reduzierten Breiten wird die Aufstandsfläche stärker belastet und führt zu höherem Reifenverschleiß. Ob sich damit der allgemein zunehmende besonders aber bei Besitzern von E-Autos verbreitete Trend zu Ganzjahresreifen im Geschäftsergebnis kompensieren lässt, bleibt abzuwarten.


Gegenüber einem reinen batterieelektrischen Fahrzeug besitzen Fahrzeuge mit Brennstoffzellen einen höheren Wartungsbedarf. Anders als beim E-Auto sind viele Bauteile mit Filterfunktion wie Kathodenluftfilter, Ionentauscherfilter und Kühlmittelpartikelfilter keine Lebensdauerbauteile. Außerdem muss der H2-Sensor regelmäßig überprüft werden. Der Tank ist wegen der hohen Diffusionsneigung von Wasserstoff kein Lebensdauerbauteil und bedarf ebenfalls der Kontrolle durch den Fachbetrieb oder muss sogar ausgetauscht werden. Während gerade asiatische Hersteller das Brennstoffzellenauto aktuell anbieten, halten sich europäische Hersteller zurück. Daimler hat sein einziges Pkw-Modell wieder vom Markt zurückgezogen. Gründe hierfür lassen sich in den Kosten wiederfinden. Zum einen müssen deutsche Hersteller fehlendes Know-how einkaufen und zum anderen rutschen die Brennstoffzellen-Pkw infolge der gestiegenen Produktionskosten aus der Förderung des Umweltbonus. Interessanterweise sind in den USA und Japan die Preise
für Brennstoffzellen-PKW unter die der Elektrofahrzeuge gefallen. Wie sich diese Entwicklung auf Marktanteile auswirkt ist noch offen.