State Of Health – Beigestellte Prüfung für Elektrofahrzeuge

"Die Mobilitätswende sowie technologische und rechtliche Veränderungen erfordern eine regelmäßige Überarbeitung von Prüf- und Überwachungskriterien. "

 

Künftig müssen der Kraftstoff- und Stromverbrauch im Lebenszyklus eines Fahrzeugs gemäß europäischen Vorgaben regelmäßig überwacht werden. Die On-Board-Überwachung des Kraftstoffverbrauchs (OBFCM) wird sich zunächst nur auf konventionelle Antriebe und Hybridfahrzeuge beschränken, da allein hierzu ein technischer Standard existiert. Mittelfristig soll die OBFCM dann auf batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) ausgeweitet werden. In der Umsetzung sollen die Fahrzeuge ein Logbuch über die Verbrauchsdaten im praktischen Fahrbetrieb sammeln, das anschließend im Rahmen der Hauptuntersuchung (HU) ausgelesen wird. Das KFZ-Gewerbe fordert deshalb die OBFCM als beigestellte Prüfung in den anerkannten Werkstätten (aW) analog der Abgasuntersuchung (AU/AUK), Gasanlagen-Prüfung (GAP/GSP) oder der Sicherheitsprüfung (SP) zu integrieren. Das Ergebnis der übermittelten Verbrauchsdaten des Kundenfahrzeugs soll dabei keinen direkten Einfluss auf die Hauptuntersuchung haben. Vielmehr sollen hiermit die Fahrzeughersteller auf die Einhaltung der ursprünglichen Typgenehmigung überwacht werden (siehe Diesel-Skandal). KFZ-NRW wird über die weitere Entwicklung berichten.
 

Anpassung der Prüfpunkte von Elektrofahrzeugen

Bei BEV gestaltet sich die HU zunächst weit weniger umfänglich als die Begutachtung von Fahrzeugen, die einen konventionellen Verbrennungsmotor als Antrieb nutzen. Der grundsätzliche Aufwand einer Abgasuntersuchung und die damit verbundene qualitative Bewertung, ob der Antriebsstrang die Emission-Grenzwerte einhält, entfällt. Es lassen sich zwar Fehlercodes aus der Eigendiagnose auslesen, jedoch ist diese Prüfung derzeit nur so gut, wie es die Fahrzeughersteller momentan zulassen. Die eigentlichen Antriebs- und Hochvoltkomponenten werden lediglich einer oberflächlichen Sichtprüfung unterzogen.

Dabei verdeutlicht die zunehmende Zahl der zugelassenen E-Fahrzeuge, dass andere Fahrwerkskomponenten als beim Verbrenner üblich, einem deutlich höheren Verschleiß unterliegen. So treten zum Beispiel in Folge von steigenden Rekuperationsanteilen und der verminderten Bremsbetätigung vermehrt Korrosionsschäden an den Bremskomponenten auf. Derzeit prüfen diverse Marktteilnehmer, wie der Prüfkatalog für Elektrofahrzeuge ergänzt werden kann. Es ist davon auszugehen, dass Fahrzeughalter künftig mit einer Ermittlung der Batterie-Gesundheit (State of health) im Rahmen der HU konfrontiert werden. Hierzu hat der TÜV-Verband bereits Mindestanforderungen definiert, die es erlauben, Daten aus dem Batteriemanagementsystem auszuwerten. Allerdings sperren sich momentan viele Fahrzeughersteller gegen diese Art der Fahrzeugüberprüfung. Als Vorwand dient dabei, dass man keine sicherheitskritischen Informationen durch einen barrierefreien Zugang zum Energiespeicher offenlegen möchte.

 

Dabei würde die Batterieprüfung bei Verbrauchern zu einer Steigerung der Akzeptanz und dem Vertrauen in die Zuverlässigkeit von Elektrofahrzeugen führen. Denn jede Batterie unterliegt einem individuellen Verschleißgrad. Die Dauer von Schnelladevorgängen und die dabei herrschende Temperaturen könne großen Einfluss auf eine Batterieschädigung nehmen. Die Zählung von Ladezyklen bildet deshalb nur einen unzureichenden Indikator für die Qualität der Fahrzeugbatterie ab. Doch gerade die Lebenserwartung der Fahrzeugbatterie wird auf den aktuellen Fahrzeugwert, sprich Gebrauchtwagenwert, einen erheblichen Einfluss nehmen.

 

Da die Verwaltungsmühlen bekanntlich langsam mahlen, wird man eher mittel- als kurzfristig mit einer Anpassung der Prüfpunkte innerhalb der Hauptuntersuchung von Elektrofahrzeugen rechnen können. Wie sich das auf die Kosten auswirken wird, bleibt dabei abzuwarten.