Ausgabe 03 | 2026

Berufsbildung

Wenn die Branche Klartext redet.

Krise, Kosten und KI – was Betriebe jetzt bewegt

Wenn Werkstätten offen reden, wird Verband greifbar. Die Regionalgespräche in Iserlohn und Hilden zeigen, wie Ausbildung, Kosten, Technik, Recht und KI im Alltag zusammenhängen.

Ein Verband ist kein Buffet fertiger Lösungen. Er wird dort lebendig, wo Innungen ihre Lage schildern, Betriebe Fragen stellen und der offene Austausch möglich ist. Genau das boten die Regionalgespräche am 22. Juni 2026 in Iserlohn und am 2. Juli 2026 in Hilden. So entstand ein klares Bild davon, was das Kfz-Gewerbe bewegt.

Präsident Frank Mund setzte zum Auftakt den Rahmen und lenkte den Blick auf ein Thema, das längst im Werkstattalltag angekommen ist: Cybersicherheit. Moderne Fahrzeuge sind rollende Datensysteme mit Verbindung zu Werkstatt-IT, Herstellern und Kundenprozessen. Wer digitale Sicherheit auf Virenschutz reduziert, greift zu kurz. Entscheidend ist auch das Verhalten im Betrieb, jeden Tag und an vielen Schnittstellen.

Von dort führte der Austausch schnell zur Ausbildung. Zwar wirken die Zahlen vielerorts stabil oder steigen leicht, die reine Statistik erzählt jedoch nicht die ganze Geschichte. Einzelne Innungen berichteten von Durchfallquoten um zehn Prozent. Das ist kein Alarmzeichen, zeigt aber die Bedeutung guter Ausbildung. Eine gute Prüfung darf fordern, braucht aber faire Begleitung.

Ebenso offen sprachen die Teilnehmer über die wirtschaftliche Lage. Steigende Kosten treffen jede Arbeitsstunde, jedes Ersatzteil und jede Investition. Damit wird der Stundenverrechnungssatz zur Nagelprobe. Er muss die Aufwendungen abbilden, darf aber das Vertrauen der Kunden nicht verspielen. Wirtschaftlichkeit entscheidet sich nicht nur in der Kalkulation, sondern auch im Gespräch am Tresen.

Technisch standen AÜK, Fahrerassistenzsysteme und Prüfbereiche im Fokus. Die leicht rückläufigen Zahlen bei AU/AUK, SP und GAP passen zum Wandel im Fahrzeugbestand. Elektrifizierte Fahrzeuge verändern Prüfbedarfe und Abläufe, ohne die Verantwortung der Betriebe kleiner zu machen. Prüfqualität bleibt Vertrauensarbeit, gerade wenn Technik komplexer wird. Dazu passten die DAkkS-Witnessaudits im Juni und Juli 2026 in NRW. Geprüft wurden Vorgaben, Abläufe, Gerätehandhabung und Dokumentation. Ihr Erfolg stärkt die Akkreditierung der Inspektionsstelle im AÜK-System und zeigt: Verlässliche Prüfung braucht saubere Prozesse, Standards und Betriebe, die sie im Alltag sicher umsetzen.

Besonders greifbar wurde der Wandel im Gastvortrag von Gerald Neu von Snoopmedia. Unter dem Titel „Kollege KI – Warum auch die beste KI einen guten Meister braucht“ zeigte er an einem Golf 7 Benziner mit Fehlercode P0420, wie stark das Ergebnis einer KI vom Auftrag abhängt. Ein präziser Prompt kann den Diagnoseweg strukturieren. Ein unklarer Prompt erzeugt eher Nebel als Orientierung. Auch die KI-Sekretärin fügte sich als unterstützendes Werkzeug in dieses Bild ein. Sie kann Anrufe annehmen, Anliegen strukturieren und den Betrieb entlasten. Gerade dort, wo Kunden schnelle Orientierung erwarten und Personal knapp ist, kann das helfen. Wertvoll wird solche Technik aber nur, wenn Verantwortung und Entscheidung im Betrieb bleiben.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Kfz-Schiedsstelle. Vor Ort wurde abgefragt, wie viele Fälle anfallen und wie die Innungen künftig damit umgehen wollen. Pro und Contra lagen offen auf dem Tisch. Nicht jede Struktur ist gesetzt, aber jede Veränderung braucht ein ehrliches Lagebild. Auch dafür sind Regionalgespräche da.

Zum Abschluss rückte der Block „Alles was Recht ist“ den Fahrzeugverkauf in den Mittelpunkt. Über die novellierte Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung und neue EU-Vorgaben wurde informiert. Labels, Hinweise und Werbeaussagen müssen genauer geprüft werden. Klare Information wird Teil seriöser Beratung.

Die Regionalgespräche haben gezeigt, wie breit der Alltag im Kfz-Gewerbe geworden ist. Ausbildung, Kosten, Technik, Recht, Cybersicherheit und KI stehen nicht nebeneinander, sondern greifen wie Zahnräder in einem Getriebe ineinander. Wer eines davon ignoriert, spürt die Folgen an anderer Stelle. Der Wert dieser Treffen lag nicht in schnellen Antworten, sondern im gemeinsamen Blick auf die Lage.